Aus aktuellem Anlass schreibe ich die Kolumne direkt. Es kommt mir rückblickend wie ein Marathonlauf vor: Die letzten Kilometer sind die Schlimmsten. Blechwagen hatten es mir schon immer angetan, aber solche aus den 30er/40er Jahren sind für mich unerschwinglich. Also schritt ich selber zur Tat. Mit Abfallholz wollte ich zwei dem Original sehr ähnliche Wagen herstellen. An einer Ausstellung im Kindermuseum Baden sägte ich Live vor Publikum Fenster um Fenster aus und die Besucher verfolgten mit Spannung wie die Wagen langsam Form annahmen. Vor mir lag ein Plakat mit einem Foto des Vorbildwagens 341/1 von Märklin und der Aufschrift: „Das Original kann ich mir nicht leisten“ Wer das Maul zu weit aufreisst muss sich nicht wundern, wenn es ihm zugestopft wird: An einer Modellbahnbörse in der Ostschweiz fand ich tatsächlich einen solchen (etwas lädierten)Wagen zum absoluten Spottpreis. Ein Puffer fehlte, die Verglasung hatte sich zusammengezogen und war gerissen und überall „Gebrauchsspuren“ vor allem an den Drehgestellen. Diese waren vermutlich auch der Verkaufsgrund, denn die Laufeigenschaften waren völlig dahin. Dass die Drehgestelle auch noch gerissen waren, sah ich erst, als ich (nach dem Entgleisen des Wagens)Teile davon in der Hand hielt. Da es sich nicht um Zinkpest handelte sondern „nur“ um eine normale Materialermüdung (Bruch), wurde das fehlende Teil mit Spezialkleber wieder befestigt. Während dieses Vorganges brach auch das zweite Drehgestell in drei Teile… Okay, ich hatte ja den Kleber schon in der Hand. Innen angebrachte Verstärkungen sollen einen erneuten Bruch verhindern. Nachdem ich die Verglasung erneuert hatte wandte ich mich wieder den Holzwagen zu. Wenn ich schon einen grünen Originalwagen aus Blech hatte, machte es keinen Sinn mehr nochmals zwei grüne Wagen aus Holz zu bauen. Also sollte einer der beiden zum Mitropa-Speisewagen werden…So, und nun kommen eben die letzten Kilometer des Marathons: Gerade als die Bemalung der Wagen vollendet war schlug das Schicksal zu und ich musste mich notfallmässig einer Augenoperation unterziehen. Da blieb mein Hobby für zweieinhalb Monate liegen, denn ich konnte und durfte nicht basteln…Als ich langsam meine Hobbyarbeit wieder aufnehmen durfte und wollte, war alles (ja selbst kleine leichte Basteleien) arg mühsam geworden, denn ich sehe noch immer zu wenig dafür. Die Wagen aber wollte ich noch vollenden und fertig verglasen. Für diese leichte Aufgabe, die ich sonst in einer Stunde locker gemacht hätte, benötigte ich frustrierenderweise einen vollen Tag von früh bis spät mit vielen Pausen… Diese Wagen sind zur Zeit mein ganzer Stolz und werden an meiner nächsten Ausstellung im August in der
Umwelt-Arena Spreitenbach ihre Premiere feiern. Seien Sie dabei , es würde mich freuen.